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Aus dem Buch · Kapitel 5 und 14

Was kostet ein KI-Projekt im Mittelstand?

Eine Antwort aus einem Protokoll, nicht aus einer Schätzung. Vier Monate, 2.786 Anweisungen, jede mit Zeitstempel — und damit die Unmöglichkeit, sich etwas schönzurechnen.

Christian Zöllner · Stand August 2026 · Zeitraum 14. März bis 27. Juli 2026

Die kurze Antwort

Rund 560 Euro an Werkzeugen und 191 Stunden Arbeitszeit über viereinhalb Monate, verteilt auf dreißig gestartete Vorhaben. Das sind etwa 125 Euro im Monat — weniger, als die meisten Unternehmen für einen einzelnen Softwarearbeitsplatz zahlen.

Die Zahl, auf die es ankommt, ist trotzdem die zweite. Die Werkzeuge sind billig. Die Arbeitszeit ist es nicht.

560 €Werkzeuge, viereinhalb Monate
191Stunden Arbeitszeit
30gestartete Vorhaben
28laufende Anwendungen
4davon in fremden Betrieben

Am 14. März 2026 mietete ich einen Server für unter zehn Euro im Monat, um eine Stunde lang auszuprobieren, was ein KI-Agent kann. Vier Monate später liefen achtundzwanzig Anwendungen. Was ich damals nicht wusste: Mein Rechner schrieb mit — jede Anweisung mit Datum und Uhrzeit auf die Sekunde.

Als ich die Datei fand, war aus einem Nebenprodukt eine Quelle geworden, wie man sie selten hat: eine lückenlose Aufzeichnung einschließlich aller Umwege. Die Zahlen auf dieser Seite sind daraus gerechnet, nicht erinnert. Was folgt, ist die vollständige Aufstellung.

1. Was das Geld gekostet hat

Gerundete Beträge über den gesamten Zeitraum von viereinhalb Monaten, für alle dreißig Vorhaben zusammen.

Geldkosten, 14. März bis 27. Juli 2026
PostenGesamtAnmerkung
Server inklusive Sicherung≈ 35 €Ein Rechner für alle Projekte
Domains≈ 15 €Mehrere, anteilig
Abonnement für die Agentenarbeit≈ 450 €Der mit Abstand größte Geldposten
Modellnutzung der Anwendungen≈ 60 €Alle Projekte zusammen
Sonstige Dienste≈ 0 €Freikontingente ausgereicht
Summe≈ 560 €rund 125 € im Monat

Der Posten, der überrascht, ist die Verteilung: Vier Fünftel des Geldes gingen in das Abonnement, mit dem gebaut wurde — nicht in den Betrieb der fertigen Anwendungen. Achtundzwanzig laufende Anwendungen verursachten zusammen rund 110 Euro an Server-, Domain- und Modellkosten über viereinhalb Monate.

Das ist praktisch relevant, weil es die übliche Sorge entkräftet und eine neue begründet. Die Sorge, laufende KI-Anwendungen würden dauerhaft Geld verbrennen, war in diesem Fall unbegründet. Die Kosten entstehen beim Bauen, und Bauen heißt Arbeitszeit.

2. Warum die Zeit der eigentliche Posten ist

Die Arbeitszeit lässt sich aus den Zeitstempeln rekonstruieren. Das Verfahren: Aufeinanderfolgende Eingaben mit weniger als dreißig Minuten Abstand gelten als eine zusammenhängende Sitzung, je Sitzung sechs Minuten Nachlauf.

Zeitaufwand, aus 2.786 Zeitstempeln gerechnet
Arbeitssitzungen189
Aktive Tage73 von 134
Durchschnitt je Sitzung61 Minuten
Längste Sitzung am Stück6 Std. 48 Min.
Gesamt191 Stunden

Einhunderteinundneunzig Stunden entsprechen knapp fünf Arbeitswochen, verteilt auf viereinhalb Monate, überwiegend an Wochenenden und in den Abendstunden.

Die Zahl ist konservativ. Lesen, Prüfen und Nachdenken außerhalb des Terminals sind nicht enthalten, ebenso wenig die Zeit, in der ich über Konzepte nachdachte, ohne etwas zu tippen. Die tatsächliche Zahl liegt höher — ich schätze um ein Viertel.

Die Gesamtrechnung

Wer nach der Lernphase bei dreißig Stunden im Monat bleibt, bindet bei einem internen Satz von achtzig Euro rund 28.800 Euro Arbeitszeit im Jahr. Die Werkzeuge kosten daneben rund 1.500.

Das Verhältnis ist eins zu neunzehn. Wer im eigenen Haus jemanden dafür freistellt, stellt ihn für eine halbe Stelle frei, nicht für ein Abonnement.

Das ist der Satz, den ich in Angebotsgesprächen am häufigsten vermisse. Alles, was an dieser Arbeitsweise billig aussieht, ist billig — außer dem Posten, der nicht auf der Rechnung steht.

3. Vier Faustregeln für die eigene Planung

Regel 1 · Lernphase
40 Stunden

Für die ersten vier Wochen. Sie ist unvermeidlich. Wer sie überspringt, macht die Fehler, die im März dieses Protokolls stehen.

Regel 2 · Dauerbetrieb
25–35 Std./Monat

Danach, wenn Sie ernsthaft dabeibleiben. Weniger geht auch — dann dauert alles entsprechend länger.

Regel 3 · Je Vorhaben
7 Stunden

Von der Idee bis zur laufenden Anwendung, für einfache Fälle. Ein Kundensystem mit Qualitätssicherung kostet das Zweieinhalbfache an Arbeitszeit und das Zehnfache an Kalenderzeit — weil zwischen den Prüfläufen jemand aus dem Fach Zeit finden muss.

Regel 4 · Werkzeuge
100–150 €/Monat

Solange Sie allein arbeiten und keine großen Datenmengen verarbeiten. Diese Zahl ist die unwichtigste auf dieser Seite.

4. Was dabei herauskam

Ergebnisse, Stand Juli 2026
Gestartete Vorhaben30
Davon bewusst beendet8
Davon heute noch in Betrieb22
Laufende Anwendungen insgesamt28
Anwendungen in fremden Betrieben4

Die dritte und die vierte Zeile gehen auseinander, und das hat einen banalen Grund: Ein Vorhaben ist nicht dasselbe wie eine Anwendung. Die persönliche Seite besteht aus der Seite selbst und einem zweiten Dienst, der das Kontaktformular entgegennimmt — zwei Anwendungen, ein Vorhaben. Dazu kommen Hilfsdienste, die zum Server gehören: Dateiverwaltung, Protokollansicht, Überwachung.

Ich führe beide Zahlen auf, weil die Differenz genau die Art von Unschärfe ist, mit der man sich selbst betrügt. Wer nur die Kacheln auf seiner Betriebsplattform zählt, kommt auf eine schmeichelhaftere Zahl.

Die letzte Zeile ist die ehrlichste. Von dreißig Vorhaben sind vier dort angekommen, wo Software hingehört: in einem Betrieb, in dem jemand damit arbeitet, den ich nicht kenne. Das klingt nach einer schlechten Quote und ist trotzdem keine. Bei rund sieben Stunden je Vorhaben kostet ein Fehlversuch weniger als einen Arbeitstag. Die Rechnung geht auf, weil die Einzelwette billig ist, nicht weil die Trefferquote hoch wäre.

5. Was die Rechnung nicht zeigt

Interessanter als die Summe ist die Verteilung über die Monate. Zwischenstände sind gesicherte Arbeitsergebnisse — ein grobes, aber über die Zeit vergleichbares Maß für tatsächlich Fertiggestelltes.

Produktivität je Monat
MonatAnweisungenStundenZwischenständeJe Stunde
März — Der Rausch1.385832332,8
April — Der Kater29717291,7
Mai — Die Struktur485351373,9
Juni309301324,4
Juli — Die Reife310261676,4

Im Juli gab ich ein Fünftel der Märzanweisungen und stellte dabei mehr fertig. Von 2,8 auf 6,4 — eine Verdopplung der Ausbeute je Stunde, bei einem Drittel des Zeiteinsatzes.

Meine Erklärung, und sie ist eine Vermutung, keine Messung: Der Unterschied zwischen März und Juli ist nicht Übung, sondern Struktur. Im März begann ich jede Sitzung bei null. Im Juli lagen Regeln vor, eine Testumgebung stand, Routine war in Befehle verpackt. Die Zeit, die im März in Wiederholung ging, ging im Juli in Arbeit.

Zwei Einschränkungen gehören dazu, sonst wird aus einer Beobachtung eine Behauptung. Die Aufgaben blieben nicht gleich — im März entstanden einfache Anwendungen von null, im Juli lief ein Kundensystem mit Qualitätssicherung, und Änderungen an Bestehendem sind schneller fertig als Neubauten. Und die Werkzeuge blieben nicht gleich — in viereinhalb Monaten wurden die Modelle besser, ohne dass ich etwas dafür getan hätte. Diese Verbesserung steckt in der Kurve mit drin, und sie ist nicht mein Verdienst.

Der teuerste Monat war übrigens nicht der mit den meisten Stunden. Es war der April mit siebzehn, weil in ihm am wenigsten entstand und am meisten gelöscht wurde. Genau dort lag der Wendepunkt.

6. Woran Sie erkennen, ob es sich rechnet

Der Kreuzungspunkt zwischen Aufwand und Ersparnis lag in den dokumentierten Fällen bei etwa sieben Wochen. Wichtiger als diese Zahl ist die Regel dahinter — und die hat mit Geld nichts zu tun.

Getragen hat, was zwei Bedingungen erfüllte:

Fehlt eine der beiden Bedingungen, ist die Kostenfrage die falsche Frage. Sechs von acht Projekten aus dem ersten Monat wurden wieder gelöscht — nicht, weil sie technisch nicht funktionierten, sondern weil beides fehlte.

Zur Einordnung

Das sind die Zahlen eines einzelnen, vollständig protokollierten Falls: ein Berater ohne Entwicklerteam, viereinhalb Monate, überwiegend abends und an Wochenenden. Sie sind kein Branchendurchschnitt und keine Garantie. Ihr Wert liegt darin, dass sie nachprüfbar sind und auch die Posten enthalten, die eine Rechnung unattraktiv machen.

Die vollständige Rechnung steht im Buch

„Zu zweit gebaut" ist das Logbuch dieser vier Monate — 219 Seiten, fünfzehn Kapitel, jede Zahl aus dem Protokoll. Auch die acht Tage ohne Datensicherung, die vier Zugangsschlüssel im Klartext und die sechs gelöschten Projekte. Kostenlos.

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Vorwort und erstes Kapitel, 28 Seiten. Kein Formular, keine Adresse.

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