Robotik · Forschung
RoboGym München: Wo Roboter Handgriffe aus dem Mittelstand lernen sollen
Am Münchner Flughafen trainieren seit Oktober rund 100 Roboter Arbeitsabläufe aus der Industrie. Ergebnisse, Kosten und Datenregeln für Unternehmen nennen die Beteiligten bisher nicht.
22. Oktober 2026 · 3 Minuten Lesezeit
Kurz gefasst
- NEURA Robotics und die TUM haben am Münchner Flughafen ein Zentrum eröffnet, in dem rund 100 Roboter Arbeitsabläufe lernen.
- Ergebnisse, Kosten für teilnehmende Unternehmen und den Preis des neuen Humanoiden 4NE1 Gen 4 nennen die Pressemitteilungen nicht.
- Betriebe sollten belastende Handgriffe notieren; ob eine Teilnahme lohnt, entscheiden Kosten und Datenrechte im Einzelfall.
Was am Münchner Flughafen eröffnet wurde
NEURA Robotics und das Robotik-Institut MIRMI der Technischen Universität München haben am 22. Oktober 2026 das TUM RoboGym eröffnet. Auf über 2.300 Quadratmetern am LabCampus des Münchner Flughafens trainieren in 48 Zellen zunächst rund 100 humanoide und Service-Roboter Arbeitsabläufe. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und kostet rund 17 Millionen Euro, wovon NEURA etwa 11 Millionen trägt.
Die Trainingsdaten haben drei Herkünfte: Sensorwerte der Roboter bei echten Aufgaben, Vorführungen von Menschen in Datenanzügen, mit Motion Capture oder per Fernsteuerung, und Simulationen für weitere Varianten. NEURA nennt als Beispiele das Handhaben von Kartons, das Befüllen von Flaschen und das Be- und Entladen von Holzbauteilen. Die TUM ergänzt das Falten von Boxen, das Zusammenstecken von Bauteilen und das Bedienen von Werkzeugen.
Seit September arbeiten dort laut NEURA Partner aus mehr als zehn Branchen, darunter Automobil, Pharma, Medizintechnik, Verpackung und Logistik. Zur Eröffnung zeigte NEURA den humanoiden Roboter 4NE1 Gen 4. Nach Herstellerangabe ist er 20 Prozent leichter als sein Vorgänger und für die Serienfertigung ausgelegt. Gesteuert wird er vom hauseigenen Modell Neuron AI, das neben Kamerabildern auch Berührung, Kraft und Klang auswertet.
Was NEURA und die TUM bisher nicht sagen
Weder die Pressemitteilung von NEURA noch die der TUM nennt Ergebnisse aus dem RoboGym. Es fehlen Angaben dazu, wie lange ein Roboter für einen Ablauf trainiert, wie zuverlässig er ihn danach ausführt und was ein Unternehmen für die Teilnahme zahlt. Auch die Partner aus mehr als zehn Branchen werden nicht namentlich genannt.
Beim 4NE1 Gen 4 fehlen die Angaben, nach denen ein Betrieb zuerst fragen würde: Gewicht in Kilogramm, Traglast, Preis und Liefertermin. Dass er für die Serienfertigung ausgelegt ist, sagt der Hersteller. Wann Kunden ihn bekommen, sagt er nicht.
Offen ist auch, wem die Daten gehören. Laut TUM fließen sie in einen Datenspeicher in der Cloud, der als wissenschaftliche Ressource dienen soll. Auf seiner Seite zu den Gyms verspricht NEURA dagegen, dass alles, was ein Partner dort erarbeitet, ihm gehört. Wie beides für das Prozesswissen eines einzelnen Betriebs zusammengeht, lässt sich den Mitteilungen nicht entnehmen.
Welche Aufgaben in Ihrem Betrieb dafür in Frage kämen
Für die meisten Betriebe ist das RoboGym vorerst ein Ort, an dem sich zeigt, welche Handgriffe Roboter in den nächsten Jahren zuverlässig lernen. Kaufen kann man dort nichts. Interessant ist es für Aufgaben, die im eigenen Betrieb täglich anfallen, körperlich belasten und sich mit klassischer, fest programmierter Automatisierung schlecht lösen lassen.
Ein Möbelhersteller mit 45 Beschäftigten nimmt etwa jeden Tag Zuschnitte und Fronten aus Massivholz an der CNC-Maschine ab und stapelt sie für die Kantenbearbeitung. Maße und Oberflächen wechseln fast mit jedem Auftrag, deshalb rechnet sich ein fest eingerichteter Roboter dafür selten. Das Be- und Entladen von Holzbauteilen steht ausdrücklich auf der Trainingsliste in München.
Ob ein Humanoider das in einer Werkstatt mit engen Gängen wirtschaftlich schafft, kann heute niemand sagen. Taktzeiten und Fehlerquoten liegen nicht vor. In meinen Projekten scheitert Automatisierung selten am Greifen selbst, häufiger an den Ausnahmen: am verzogenen Brett oder an der Palette, die anders steht als gestern.
Was Sie jetzt tun können
Schreiben Sie zwei oder drei Handgriffe auf, die in Ihrem Betrieb häufig vorkommen und Ihre Leute körperlich belasten. Notieren Sie dazu, was gegriffen wird, wie schwer es ist und wie stark es von Auftrag zu Auftrag schwankt. Mit dieser Liste können Sie jede neue Meldung aus München in einer Minute daraufhin prüfen, ob sie Sie betrifft.
Wer nichts unternimmt, verliert nach meiner Einschätzung derzeit wenig, solange der 4NE1 Gen 4 angekündigt und nicht ausgeliefert ist. Mehr steht auf dem Spiel, wenn das Wissen erfahrener Mitarbeiter über Material und Handgriffe nirgends festgehalten wird, bevor sie in Rente gehen. Dieses Wissen wollen NEURA und die TUM ins Training holen, und Sie brauchen es auch ohne Roboter.
Wer mitmachen will, kann bei NEURA nach den Bedingungen fragen. Lassen Sie sich vorher schriftlich bestätigen, was es kostet, wem die Daten aus Ihren Vorführungen gehören und welche Messwerte Sie am Ende erhalten. Ob sich eine Teilnahme rechnet, hängt vom Einzelfall ab. Ob das Konzept trägt, zeigt sich erst, wenn die ersten Betriebe ihre Zahlen offenlegen.
TUM RoboGym eröffnet in München: 4NE1 Gen 4. NEURA Robotics, 22. Oktober 2026. Abgerufen am 22. Oktober 2026: https://neura-robotics.com/de/tum-eroffnen-robogym-munchen-launch-4ne1-gen4/
Ebenfalls verwendet: Roboter schlauer machen: Neues Robotik-Zentrum TUM RoboGym zusammen mit NEURA eröffnet, Technische Universität München: https://www.presseportal.de/pm/16314/6376182
Ebenfalls verwendet: NEURA Gym, NEURA Robotics: https://neura-robotics.com/neuragym/
Diese Zusammenfassung und die Bilder sind mit KI-Unterstützung entstanden; gelesen, geprüft und freigegeben von Christian Zöllner. Zahlen stammen ausschließlich aus den oben genannten Quellen.